Montag, 28. januar 2008
Zu meinen Ernährungsberatungs-Terminen kommen oft Eltern, deren Kinder bestimmte, als gesund geltende Lebensmittel, also hauptsächlich Grünzeug & Co. nicht essen.

Wenn die Kids dabei sind, frage ich immer, ob es denn nicht scheckt und warum. Zu bitter oder zu sauer wird als Grund akzeptiert, denn das heißt, es wurde probiert und schmeckt wirklich nicht. Das gleiche gilt, wenn der Geruch als unangenehm empfunden wird, Geruchs- und Geschmackssinn sind eng miteinander verknüpft. Mit der Zeit ändern kann sich das ändern - wer hat schon als Kind Kaffee gemocht? Ist das betreffende Lebensmittel zu hart, zu weich, zu glitschig etc., kann man über die Zubereitung nachdenken, roh oder gekocht, große oder kleine Stücke, Scheiben oder Streifen. Paradebeispiel: Viele Kinder mögen Möhren oder Paprikastreifen roh  zum Knabbern aus der Hand, verweigerrn aber das gekochte Gemüse. Also kein großes Problem, die Kinder einfach beim Schnippseln und Kochen helfen lassen, dann kommt das Gemüse auch in der "essbaren" Form auf den Tisch. 

Beim zweiten Fall ist "schmeckt nicht" nicht richtig. Es würde ja schmecken, nur das Mundgefühl stimmt nicht. Es muss somit "mag ich nicht" heißen. Genauso, wenn etwas nicht schmeckt, weil es z.B. grün ist, meist wurde dann noch nicht einmal probiert. In solchen Fällen kann man Geschmacks-Spiele à la ein-Lebensmittel-mit-verbundenen-Augen-am-Geschmack-erkennen machen; dazu schneidet man verschiedene Obst- und Gemüsesorten roh oder gekocht in mundgerechte Stücke. Das setzt natürlich ein großes Maß an Vertrauen voraus, das Kind will schließlich nichts "ekliges" untergeschoben bekommen. Hilfreich ist, wenn man selbst der erste Kandidat und das Kind der Test-Leiter ist. Ziel ist, dass auch Essen, das nur wegen das Aussehens abgelehnt wird, trotzdem probiert und nicht von vorneherein verweigert wird.

Stellen sie sich vor, sie wären ein Kind, das weder Kinderschokolade noch die anderen Schnitten, Eier etc. in der rot-weißen Verpackung kennt, und jemand gibt Ihnen eine unverpackte Milchschnitte. Würden Sie die rein optisch "lecker" finden? 

Grundsätzlich bringt es natürlich viel, Kinder ins Einkaufs- und Zubereitungsgeschehen mit einzubeziehen und sie maßvoll mitbetimmen zu lassen. Bleiben Sie nicht beim gewohnten und mehr oder weniger bewährten, sondern seien Sie mit Ihren Kindern neugierig und kreativ, probieren Sie unbekannte Sorten und Zubereitungsarten. Davon profitieren nicht nur die Kinder!

Und: Denken Sie an Ihre Vorbildfunktion. Wenn der Papa den Salat stehen lässt, braucht sich keiner zu wundern, wenn der Nachwuchs es genauso macht!

von équilibriste veröffentlicht in: Ernährung Community: Balance
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