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25. Februar 2008 1 25 /02 /Februar /2008 06:22

Bei uns sind über 55 % der Frauen und über 65 % der Männer übergewichtig (BMI 25 oder höher). Wen wundert, dass Mittel zum angeblich schnellen und problemlosen Abnehmen immer wieder beworben und auch gekauft werden. Was ist dran an den Wundermitteln? 

Zur Adipositastherapie zugelassen sind derzeit drei gewichtssenkende Substanzen: Sibutramin (wirkt aufs zentrale Nervensytem und führt zu einem schnelleren, langanhaltenderen Sättigungsgefühl), Orlistat (stört die Fettverdauung im Dünndarm und vermindert so die Fettabsoption) und Rimonabant (hemmt einen Rezeptor, der bei der Regulation von Stoffwechselprozessen ein Rolle spielt). 

Alle drei haben Nebenwirkungen  und sind verschreibungspflichtig! Um ein Rezept dafür zu erhalten, müssen gewisse Vorausstzungen erfüllt werden, z.B. ein BMI über 30 und die erfolglose Durchführung eines Basisprogramms mit Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Was so manchen auch dazu veranlasst haben dürfte, sich nachträglich eine Bestätigung (bzw. Rechnung) über eine angeblich erfolgte Ernährungsberatung ausstellen zu lassen. Alles schon gehabt, wäre leicht verdientes Geld gewesen...

Und die anderen Mittel? Sind wegen extremer Nebenwirkungen nicht zugelassen oder schlicht wirkungslos. Der einzige wissenschaftlich nachgewiesene Weg zu Verbesserung der Fettverbrennung ist körperliches Training!

Die beworbenen Wundermittel versprechen das Erreichen Traumfigur ohne Mühe, nicht einmal eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten sei nötig. Eine Übersicht über all die Pillen, Kapseln, Tropfen, Pulver und Tees, ganz gleich ob rezeptpflichtig (mit welchem Anwendungsgebiet auch immer...), rezeptfrei, überflüssig, schädlich, wirkungslos oder kurios, ist gar nicht möglich. Ärgerlich in jedem Fall ist die Bewerbung von Präparaten, die phsiologisch überhaupt nicht wirken können: Enzympräparate, Entwässerungs- und Abführmittel sowie Fettvernichter aller Art. Bei Fragen zu bestimmten Präparaten wendet man sich besser an den Arzt oder einen qualifizierten Ernährungsberater (und das ist in keinem Fall einer, der irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel o.ä. verkauft!) als an den Apotheker, denn schließlich ist letzterer ja wohl am Verkauf der Mittel interessiert.

Ein paar Beispiele für Fatburner-Legenden:

Alkohol nach einem fettreichen Essen unterstützt zwar die Fettverdauung. Das bewirkt aber keine Fett-Kalorien-Neutralisierung, sondern sorgt dafür, dass das Fett leichter verwertet werden kann. Alkohol liefert zudem selbst jede Menge Kalorien.

Bitterstoffe (z.B. aus Artischocken) unterstützen die Fettverdauung, indem sie die Gallensäurenproduktion anregen. Auch das führt nicht zur Fettverbrennung, sondern nur zu verbesserten Fettverwertung.

Enzyme sind als Stoffwechselkatalysatoren für alle Reaktionen im Körper zuständig, auch für die Aufspaltung von Fett im Darm. Diese Aufspaltung ist die eigentliche Fettverdauung, sie ist Voraussetzung für die Aufnahme von Fettsäuren in den Blutkreislauf. Deshalb wäre es vom Prizip eher sinvoll, die Fettverbrennung durch Enzymblocker (Lipasehemmer) zu verringern. Abgesehen davon müssen die Enzyme erst einmal das saure Milieu im Magen überleben...


Fettblocker
bzw. Fettverdauungshemmer, z.B. Chitosan sollen die Nahrungsfette noch im Darm binden und so verhindern, dass sie in den Blutkreislauf gelangen. Es gibt Tierversuche dazu, bei denen Gewichtsreduktion mit sehr hohen Chitosangaben beobachtet wurden. Auf den Menschen übertragen entsprechen sie einer Tagesdosis 20 - 25g. Es ist fraglich, ob diese Mengen toleriert würden.

Das Schliddrüsenhormon L-Throxin erhöht den Energieumsatz, trägt jedoch nicht zu einem wesentlichen Abbau von Fett sondern zu einer Verminderung der fettfreien Körpermasse bei.

Nähres dazu auch bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: DGEinfo (Suchfunktion nutzen)

Ein vollstädiger Überblick über das Angebot ist, wie bereits erwähnt, nahezu unmöglich. Hier werde ich von Zeit zu Zeit in unregelmäßigen Abständen das ein oder andere "Figurwunder" vorstellen.

Eventuell kann man einigen "Schlankmachern" das Attribut Motivationshilfe zuschreiben, letztendlich bleibt jedoch die ernüchternde Feststellung:

Kein Präparat führt ohne Änderung der Lebensgewohnheiten allein zum (Dauer-) Erfolg! Es wird keiner darum herumkommen, die gegebenen Ernährungs- und Bewegungsenpfehlungen umzusetzen.

 
Wichtig: Vor Produkten, die ausschließlich über Internet oder den Versand (Anzeigen in Zeitschriften etc.) erhältlich sind, sei ausdrücklich gewarnt! (Günstigstenfalls wirft man damit nur sein Geld aus dem Fenster...)

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Published by équilibriste - in Ernährung
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Kommentare

Dr. Frauke Höllering 02/25/2008 14:28

Rimonabant ist NICHT als Mttiel zum Abnehmen zugelassen, sondern es soll in erster Linie bei Diabetespatienten den Zucker senken und nebnebei helfen, Gewicht zu verlieren. Jemandem, der nicht an Diabetes erkrankt ist, darf man es gar nicht aufschreiben! Ich sehe es sowieso skeptisch, weil es offensichtlich zu schweren psychischen Veränderungen (Selbstmordgedanken) führen kann, und häufig starken Schwindel als Nebenwirkung hat.

Grüßle! F. Höllering

équilibriste 02/25/2008 14:36

Danke für die Info, in der Ernährungsumschau (DGEinfo Januar 2008, bzw. Oktober 2006) stand, es sei für die Therapie der Adipositas seit September 2006 in Deutschland erhältlich. Kann aber gut sein, dass Sie da besser Bescheid wissen. Die Nebenwirkungen sind schon heftig...

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